Sie schließt ihre Augen und sieht ihr zu,
sieht ihr zu wie sie durch die Wälder rennt.
Unbefangen, leicht und voller Energie,
jeder Tag ein neues Abenteuer.
Sie blickt auf ihren Schreibtisch,
ihren Schreibtisch, der voller Akten liegt.
Geöffnete Akten, geschlossene Akten,
gelesene und ungelesene.
Ein kurzer Gedanke gilt ihrem Schrank,
ihrem Schrank, in dem weitere Akten liegen,
Akten, die sie fast vergessen hatte,
Akten, die sie vergessen wollte.
Sie schließt ihre Augen und sieht sie an,
das kleine Mädchen, mit dem hoffnungsvollen Blick.
Ein Lächeln aus tiefstem Herzen,
in der Hand eine leere Akte.
caro959 - 24. Jan, 18:05
Ich blicke sie an, sie blickt zurück.
Wir sehen einander, doch erkennen uns nicht.
Ich strecke ihr meinen Arm entgegen,
unsere Hände berühren sich.
Doch ich spüre nicht die Weichheit ihrer Haut,
spüre nicht die Wärme ihres Körpers.
Kälte. Kälte ist, was meine Sinne wahrnehmen,
hart und kalt ist ihre Hand.
Ihre Hand, die die meine berührt,
die sie berührt, doch die ich nicht fühle.
Zwischen uns ist etwas,
etwas, das unüberwindbar erscheint.
Eine dünne Platte, die uns voneinander trennt.
Eine dünne Platte, die nicht zerbrochen werden kann.
Ich blicke sie an, sie blickt zurück.
Ich sehe aus wie sie, doch sie sieht nicht aus wie ich.
caro959 - 24. Jan, 18:04
Gut verheilte Narben glänzen auf der Seele,
sie sind sichtbar, doch fest und taub.
Ein leichter, feiner Saum umgibt das Herz,
bettet es weich und sicher.
Der Kopf so schwer und trotzig,
sich nicht zu erinnern vermögend.
Der Geist frei,
frei von Kontrolle und Zwang.
Frei von Schmerz.
Das Ich hart, hart und starr,
keinerlei weiche Regungen.
Doch im Kern des Ganzen ein Hauch eines Gefühls,
eines altbekannten Gefühls.
Und wieder beginnt, was niemals zu enden scheint.
caro959 - 24. Jan, 16:41
Unzählige Risse zieren sein Gesicht,
sein Ausdruck zugewandt, doch müde.
Jeder Riss machte ihn ein Stück müder,
ein Stück müder und ein Stück hässlicher.
Unansehnlich für die meisten,
die meisten meiden seinen Anblick.
Er selbst schämt sich für die Risse,
für die tiefen Kerben in seiner Haut.
Er bemüht sich, sie zu verdecken,
doch sie zu verdecken scheint unmöglich.
Zu offensichtlich, zu tief,
zu kraftlos, zu müde.
Minderwertig, falsch, unverstanden,
er findet keinen Anker.
Wieder ein Riss mehr,
und wieder ein Stück hässlicher.
caro959 - 29. Okt, 09:52
Zu viel geschrieben, zu viel versucht,
zu viel gelitten, zu viel getrunken.
Zu viele Gedanken verschwendet, zu lange gewartet,
zu viel verpasst.
Zu viel…
Von nichts zu viel und von allem zu wenig.
caro959 - 21. Jul, 00:37
Alt, ausgelaugt, gezeichnet
Eine Hülle seiner selbst.
Müde, triste, glasige Augen,
jeder Schritt fällt schwer.
Und doch kein Entkommen,
Selbstzerstörung Tag für Tag.
Schwach, erschöpft, gleichgültig,
der Lebenshunger schwindet.
Versucht, gelitten, gescheitert,
Geist und Körper hielten nicht stand.
Es gibt kein Entkommen,
Selbstzerstörung Tag für Tag.
Selbstzerstörung bis zum Tod.
caro959 - 21. Jul, 00:36
Liebe und Freude sind die Gefühle,
die dich retten vor innerer Kühle.
Teil` dein Glück und denk auch an andre,
sodass auch ein andrer mitdenkend handle.
Tu` auch einmal etwas ohne Nutzen für dich,
man wird es dir danken sicherlich.
Gönne auch andren ein gutes Los,
denn nur dann bist du wirklich groß.
Verletz` niemanden, sondern Acht` auf dein Wort,
dann wäre die Welt schon ein besserer Ort.
caro959 - 21. Jul, 00:32
Nur einmal deine Lippen berühren,
dich mit allen Sinnen erleben,
die Augen schließen und dich einfach genießen.
Nur einmal deine zarte Hand an meiner Wange spüren,
dich mit Küssen bedecken,
die Augen schließen und dich bei mir wissen.
Nur einmal deinem Atem horchen,
dein schönes Gesicht eingehend betrachten,
die Augen schließen und deine Hand halten.
Dir nur einmal ganz nah sein,
nur ein einziges Mal.
caro959 - 21. Jul, 00:32
Den Abgrund klar vor Augen,
sichtbar in entfernter Nähe.
Sichtbar und doch laufe ich,
laufe auf den Abgrund zu.
Komme ihm näher und näher.
Drehe mich nicht um,
drehe mich kein einziges Mal um.
Kein verschwendeter Blick zurück.
Auch bleibe ich nicht stehen,
zögere keine Sekunde.
Meine Beine erscheinen autonom.
Ich laufe einfach,
unaufhaltsam.
Laufe und laufe,
laufe dem Abgrund entgegen,
dem Abgrund in entfernter Nähe.
gewidmet: Godi
caro959 - 21. Jul, 00:31
Jedes Wort ein Stich,
ein Stich mitten ins Herz.
Ein Stich mit einem scharfen, spitzen Messer.
Mein Herz stirbt.
Mit jedem Stich stirbt es ein Stück mehr.
Jegliche Emotionen werden getötet,
Liebe und Wärme schwinden.
Mein Herz blutet,
übersäht von Rissen und Löchern.
caro959 - 21. Jul, 00:30
Sie schlug mich. Sie schlug mich so hart wie mich noch nie zuvor jemand geschlagen hatte.
Die Verletzungen waren schwer, sehr schwer, unermesslich schwer.
Die schwersten, die ich je erlitten habe.
Sie würden nicht heilen, nie mehr heilen, nie mehr.
Ich konnte nicht kämpfen, ich war zu schwach.
Zu hart hatte sie zugeschlagen, zu erbarmungslos.
Ich erlag meinen Verletzungen.
Ich war tot.
Doch ich erstand wieder auf.
Die tiefen, schmerzhaften Wunden begannen zu heilen, langsam, ganz langsam zu heilen.
Es entstanden Narben, hässliche Narben, ich war entstellt.
Ich hasste sie, ich hasste sie abgrundtief.
Doch mit der Zeit verblassten die Narben, mit der Zeit verblassten sie immer mehr.
Heute sind sie kaum noch zu sehen. Heute, ja heute bin ich wieder schön.
Geheilt. Geheilt von den grausamsten Verletzungen, dem grausamsten Schmerz, den ich je erfahren habe.
Ich hasse sie nicht mehr. Nein. Ich liebe sie. Ich liebe sie für die Zeit, die sie mir gab, bevor sie mich verletzte.
gewidmet: Marie
caro959 - 21. Jul, 00:29
Kälte, Dreck, Dunkelheit.
Die Waffe sein bester Freund,
ebenso sein schlimmster Feind.
Freiheit, Ruhm, Ehre,
das will er erreichen.
Erreichen mit Unterdrückung,
Macht und Gewalt.
Der Eine für die, die ihn lieben,
Einer für sein Vaterland.
Sie hat er zurückgelassen,
um für Es da zu sein.
Einsam, klein und verloren,
in der Masse der Helme.
Ständige Angst, ständige Vorsicht.
Furcht vor den Feinden,
Feinden, die sich wie er fürchten.
Schuss.
Einer ist gefallen, gestorben, ersetzt.
Der Eine lebt weiter, in den Herzen.
Unersetzlich.
caro959 - 21. Jul, 00:27
Sie steht vor mir,
unsicher schaut sie zu Boden,
die Finger nervös ineinander verhakt.
Ihr Gesicht bleich und aufgequollen.
Sie verlässt ihre Wohnung nicht mehr,
ist immer allein.
Ihr Zuhause gibt ihr Sicherheit,
die einzige Sicherheit.
Sie hat Angst vor Anderen,
Angst vor Bindungen,
Angst vor Nähe,
Nähe, die sie nie erfahren hat.
Sie hat verlernt zu leben,
verlernt zu genießen,
verlernt sich zu freuen.
Zu viele Risse auf ihrer Seele,
zu oft wurde sie verletzt.
Verletzt von den Menschen, die ihr wichtig waren.
Sie fühlte sich nie angenommen,
war immer ein lästiger Fremdkörper.
Nur weil sie anders war,
weil sie nicht so war wie man sie haben wollte.
Sie steht vor mir,
unsicher, ängstlich und klein.
Sie, die mir immer so unendlich stark erschien.
gewidmet: L. I.
caro959 - 21. Jul, 00:24
Tausend Schmetterlinge schießen durch meinen Bauch,
wenn Du denn Raum betrittst.
… wenn Du lächelst, steht die Zeit still.
Du hast keine Ahnung wie unglaublich schön Du bist.
Ich spüre einen Schauer über meinen Rücken fließen,
wenn Du mich ansiehst.
… wenn Du lächelst, geht die Sonne auf.
Du hast keine Ahnung wie unglaublich schön Du bist.
Mir wird heiß und kalt,
wenn ich dich berühre.
… wenn Du lächelst, weiß ich nicht mehr, wer ich bin.
Du hast keine Ahnung wie unglaublich schön Du bist.
Ich vergesse alles um mich herum,
wenn Du sprichst.
… wenn du lächelst, will ich nirgendwo anders sein.
Du hast keine Ahnung wie unglaublich schön Du bist.
Ich bin abgrundtief fasziniert,
wenn Du einfach nur bist wie Du bist.
… wenn Du lächelst, will ich dich küssen.
Du hast keine Ahnung wie unglaublich schön Du bist.
caro959 - 21. Jul, 00:20
Mein Herz vernarbt durch ewige Stiche,
umhüllt von einem sicheren Saum.
Einem Saum zur Abwehr.
Nichts vermochte ihn zu zerstören.
Mein Herz so unverletzlich, stark und sicher.
Doch auch unglaublich sehnsüchtig,
sehnsüchtig nach Wärme und Geborgenheit.
Doch der Saum hielt zuverlässig.
Niemand vermochte ihn zu durchdringen,
niemand vermochte mein Herz zu befreien.
Ein Moment, ein Lächeln, ein Wort.
Mein Herz umgeben von Wärme,
Wärme, die angriff.
Der Saum begann sich zu lösen,
langsam aber sicher immer weiter zu lösen.
Jetzt liegt mein Herz frei.
Verletzbar, berührbar, greifbar.
Deine Art, dein Irrsinn, deine Intelligenz.
Deine Augen, dein Lachen, deine Küsse.
Du.
Du hast meinem Herz seinen Schutz genommen,
Du hast es erhellt und es belebt,
Du lässt mich mein Herz wieder spüren.
gewidmet: Sina
caro959 - 21. Jul, 00:19
Illusionen begleiten unser Leben,
das Leben besteht aus Illusionen.
Illusionen, die das Leben schafft,
Illusionen, die wir schaffen.
Illusionen, die uns schützen.
Schützen, vor der Realität.
Vor der Schärfe der Realität.
Der Schärfe, die nicht erträglich erscheint.
Der Schärfe, die unsere Seele zermürbt.
Illusionen mildern diese Schärfe.
Illusionen geben uns Halt.
Illusionen geben uns Sicherheit.
Sicherheit, an die wir glauben sollen.
Sicherheit, an die wir glauben wollen.
Sicherheit, an die wir glauben können?
caro959 - 21. Jul, 00:12
Du wolltest immer nur das Beste für sie,
Du zogst ihr die hübschesten und teuersten Kleider an,
Berühmt sollte sie werden,
Denn Du hattest es nie geschafft.
Sie war ein hübsches, tolles Mädchen.
Sie war gut. Sie hatte Talent.
Du warst stolz auf sie, Du wolltest sie höher bringen.
Deinem Traum immer näher bringen.
Sie war ein hübsches, tolles Mädchen.
Sie hatte Erfolg, immer mehr Erfolg.
Die Leute liebten sie, so wie du sie liebtest.
Du wolltest mehr.
Sie war ein hübsches, tolles Mädchen.
Sie wurde zu dem, was du wolltest.
Du hattest es geschafft.
Doch eines, Mami, eines hast du nie bedacht.
Wie geht es ihr beim leben deines Traums?
Sie war ein hübsches, tolles Mädchen.
Sie war jung, sie war unmündig, sie vertraute dir,
Der Erfolg überrannte sie.
Sie wusste nicht mehr wer sie ist.
Jeder wusste es, jeder wusste wer sie ist,
Nur sie, sie nicht.
Sie war ein hübsches, tolles Mädchen.
Gekannt von Jedem, geliebt von Jedem,
Aber so allein, so unglaublich einsam.
Sie sehnte sich nach Liebe,
Doch niemand sah sie.
Sie war ein hübsches, tolles Mädchen.
Die Einsamkeit fraß sie auf.
Enttäuscht von den Geliebten,
Hintergangen von den Geliebten.
Siehst Du sie nicht?
Siehst Du nicht, wie sie nach Hilfe schreit?
Sie war ein hübsches, tolles Mädchen.
Sie ging zugrunde.
Ein Wrack, eine leere Hülle,
Nicht mehr und nicht weniger ist von ihr geblieben.
Sie war ein hübsches, tolles Mädchen.
Gut gemacht, Mami.
caro959 - 21. Jul, 00:05
Frisch gedruckt und unversehrt,
steht das Buch zwischen vielen anderen.
Zwischen vielen anderen im großen Laden.
Kein Kratzer auf dem Deckel,
unangetastet, ungelesen.
Es wartet auf den Kauf,
wartet darauf verschlungen zu werden.
Es wartet darauf, wie alle anderen auch.
Zeit vergeht und das Buch wandert durch viele Hände.
Mal wird es missachtet, mal durchgeblättert, mal gelesen,
mal wird es verschmutzt und hier und da wird eine Seite zerrissen.
Einige berührt es, einige verärgert es,
mal bleibt es im Gedächtnis, mal wird es vergessen.
Der Deckel zerkratzt und die Seiten ergrauen verbraucht.
Das Buch verschwindet.
Verschwindet in einer Kiste auf dem Dachboden,
in der hintersten Ecke des Bücherregals, im Altpapier.
Doch der Inhalt lebt weiter,
lebt weiter in den Köpfen der Menschen, die es bewegte.
caro959 - 21. Jul, 00:04
Es umschließt sie, es umschließt ihn.
Es ist stabil, stabiler als jedes Baugerüst.
An einigen Stellen wurde es mit der Zeit dünner,
ab und an zerriss es sogar.
Doch immer wurde es mühsam geflickt,
mühsam geflickt mit eigenen Händen.
Solange geflickt, bis die Hände bluteten.
Die einst zerrissenen Stellen stechen heraus,
sie nehmen dem Band seine Perfektion.
Das Band wird nie wieder aussehen wie zuvor,
die zerrissenen Stellen können nicht verdeckt werden,
sie sind sichtbar.
Für immer sichtbar.
Doch die Nähte halten,
die Nähte halten zuverlässig.
Sie halten das Band fest zusammen,
machen es stabiler als je zuvor.
Jede Naht so fein gestrickt,
fein gestrickt mit Sorgfalt und Zeit.
Das Band vermag ewig zu halten,
vermag nie zu reißen.
Vermag nie zu reißen,
bekommen die Nähte keine Risse.
caro959 - 21. Jul, 00:02
Ein Magnet, der mich anzieht,
anzieht wie Tonnen Metall.
Aus eigener Kraft komm ich nicht von ihm los,
kann mich nicht wehren.
Unmöglich.
Kein Entkommen.
Dumm, unterlegen, naiv.
Der Magnet spielt mit mir,
zieht mich dicht an sich,
dann stößt er mich wieder davon.
Er hat die Macht,
er hat die Kontrolle.
Kontrolle über meine Gedanken,
Kontrolle über mein Herz,
Kontrolle über mein Sein.
caro959 - 20. Jul, 23:57