Freitag, 29. Januar 2010

Essay - Iris von den Goo Goo Dolls

Der Song Iris von den Goo Goo Dolls ist für mich ein Inbegriff des Ausdrucks von Sehnsucht in vielerlei Hinsicht.
Schon beim Intro zerfließt meine Seele geradezu vor Sehnsucht nach den ersten Zeilen. Ertönen diese dann, breitet sich ein Gefühl der Befriedigung, ja gar ein Gefühl der Benommenheit in meinem Körper und meinem Geist aus.
Doch das ganze Verschlingen des Songs über, bleibt auch immer ein vages Gefühl der Sehnsucht. Sehnsucht nach Liebe, doch auch Sehnsucht nach Schmerz. Sehnsucht nach Berührung, Sehnsucht nach Wärme. Sehnsucht nach diesem Gefühl, das all die anderen beinhaltet. Liebe, Schmerz, Berührung, Wärme.
Die Textstelle "and all i can breath is your life" drückt am besten die Emotionen und die Benommenheit aus, die dieser Song verursacht. Neben den Emotionen, die er in mir auslöst, vernebelt er meine Sinne und lässt mich in Erinnerungen und Gedanken versinken.
Benommen von den Emotionen, dieser Wucht, dieser Unwirklichkeit.
Gerade mit der Stelle "when everything`s seems like the movies, you must bleed just to know your alive" wird für mich dieser Unwirklichkeit, ja dieser Illusion dieses Moments, dieser Minuten, Ausdruck verliehen. Diese Unwirklichkeit ist eines der schönsten Dinge, man fühlt sich wirklich wie ein Protagonist in einem Film, wie unter Drogen benebelt sie den Verstand. Ich glaube jedermann würde mir zustimmen, dass dies einer der tollsten Zustände ist, die das Leben zu bieten hat. Alle Gedanken und Sorgen werden eliminiert und für eine zeitlang dominiert das Gefühl des vollkommenen Glücks das Sein.
Doch eben dieser gewisse Rauschzustand ist auch etwas Unfassbares, eben etwas Unwirkliches. Kann Unwirklichkeit Leben bedeuten? Befindet man sich nicht in diesem Zustand in einer Art Traum? Ist dieser Zustand deswegen begrenzt, da der Schmerz der anschließenden Wirklichkeit, der sich nach dem Erleben des Moments einstellt, einem beweist, dass man tatsächlich lebt? Muss man bluten um zu merken, dass man lebt?
Fragen, die sich mir stellen.
Neben den Emotionen und der Unwirklichkeit, die der Song in mir auslöst, beschreibt er auch gewisse gesellschaftliche Konflikte. "and i don`t want the world to see me, cause i don`t think that they`d understand." Diese Zeilen lösen in mir eine Art Abneigung, wenn nicht gar eine leichte Form des Hasses, doch auch der Ironie und der Überlegenheit aus. Für mich persönlich bedeuten diese Worte, dass die Masse der Menschen nicht versteht, was es bedeutet zu lieben und zu vermissen. Diese Wärme, doch auch diese Sehnsucht nach einem Menschen zu verspüren. Sehnsucht nach dem Menschen, der neben dir liegt. Emotionale Intelligenz ist leider nur wenigen Menschen vergönnt und man kann etwas nur richtig nachvollziehen, wenn man es selbst schon einmal erlebt hat. Da vielen Menschen dieses Glück jedoch wahrscheinlich verwehrt bleibt, verstehen diese auch nicht. Können nicht verstehen.
Als letztes möchte ich noch die Zeile "and when everything`s made to be broken, i just want you to know who i am" ausführen. Für mich persönlich drückt sie die Vergänglichkeit aus, alles ist dazu gemacht, irgendwann zerbrochen zu werden. Alles im Leben ist vergänglich, ein Moment, eine Stunde und eben als letztes das Leben an sich. Ein Moment, so wie der des Hörens dieses Liedes, ist nicht greifbar, er ist zwar da und somit nah, doch im nächsten Augenblick wieder unendlich fern. Nichts hält für die Ewigkeit, alles endet irgendwann. Auch wenn solche berauschenden Momente uns das oft vergessen lassen, gelangt das Bewusstsein doch wieder zur Realität. Was für Spuren bleiben dann von diesen Momenten? Erinnerungen und Gedanken. Ist es nicht das größte Gut, jemanden wissen zu lassen, wer man ist? möchte man das nicht? Sich durch Momente im Leben in die Gedanken der anderen brennen. Gedanken haben etwas Ewiges. Durch die Normen und Zwänge der Gesellschaft ist es oft schwer wirklich man selbst zu sein, in jeder Situation wird man in bestimmte Rollen gedrängt und aufgefordert sich diesen anzupassen. Oft ist man in diesen besagten Rollen gar nicht die Person, die man eigentlich ist. Jemandem nun aber wirklich zu zeigen wer man ist, wer man wirklich ist, alle geheimen Gedanken, Sorgen und Wünsche mit einer Person zu teilen, abgrundtiefe Ehrlichkeit walten zu lassen, diese große Herausforderung zu meistern, bedeutet unbändige, unantastbare Nähe. Und gerade weil alles dazu bestimmt ist zu zerbrechen, weil alles vergänglich ist, ist es so erstrebenswert diese Nähe herzustellen. Diese Nähe gibt einem Sicherheit und Halt und lässt einen für einige Zeit die Vergänglichkeit jeglicher Dinge vergessen.
Was die Goo Goo Dolls mit diesem Song verbinden, aus welchen Gründen sie ihn geschrieben haben, welche Intentionen wirklich in ihm stecken, das weiß ich nicht. Auch weiß ich nicht, was dieser Song mit anderen Menschen macht. Das sind einzig und allein meine Gedanken und Empfindungen. Eben Gedanken und Empfindungen sind nämlich die einzigen Dinge im Leben, die wirklich absolut und uneingeschränkt frei sind.

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