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Gedanken

Sonntag, 18. Juli 2010

Der längste Augenblick

Ein Augenblick kann ein ganzes Leben bedeuten.
Eine Sekunde, die alles in dir verändert.
Ein Moment, der etwas in dir brutal zerschmettert.
Der dich zu Boden drückt mit seinem ganzen Gewicht,
dir die Luftzufuhr abschneidet.
Deine Gliedmaßen so fest auf den Boden drückt,
dass du dich nicht mehr rühren kannst.
Du hast absolut keine Chance,
gegen diesen einen Moment.
Er zertrümmert dir die Zähne,
schlägt dir mit der Faust in die Fresse,
immer und immer wieder.
Und er ist dir immer genau einen Schritt voraus.
Egal wie schnell du rennst,
du wirst ihn nie einholen.
Den Augenblick, der ein ganzes Leben bedeuten kann.

Freitag, 23. April 2010

Schattengeister

Schattengeister geistern rum,
bringen sich gegenseitig um.
Finden sie den Weg ins Freie?
Schattengeister kämpfen drum.

Wollen sich erheben aus dem Schatten,
erhaben wirken im Glanze des Lichts.
Erhaben an der Oberfläche strotzen,
und zeigen des Menschen wahres Gesicht.

Die Schatten, die ein jeder in sich trägt.
Liebt sie ihr jüngstes Kinde mehr?
Ist Betrug zu seinen Gunsten fair?
Sie plant die Beerdigung ihres Mannes,
er verliebt sich auf seinem Hochzeitsfest.

Gut behütet die Gedanken,
auf dass sie niemals werden entdeckt.
Doch ohne es auch nur zu ahnen,
kämpft sich ein Schattengeist aus seinem Versteck.

Dienstag, 26. Januar 2010

Ein Tag im Winter

Eine dünne Eisschicht bedeckt den See,
haarfeine Risse zeichnen sich auf der Oberfläche ab.
Das Eis wirkt stabil,
doch der kleine Stein versinkt im Wasser.

Er bemerkt das Glänzen der Sonne nicht,
das Glänzen, das sich auf dem See spiegelt.
Er sitzt regungslos auf der alten Bank,
der alten Bank aus grobem Eichenholz.

Feine Schneeflocken fallen auf sein Haupt,
sein Haupt, das seinen Schutz verlor.
Blank und kahl sucht es den Flocken zu trotzen.

In seinen faltigen Händen hält er ein Foto,
zitternd bewegt es sich auf und ab.
Ein warmer Tropfen fällt herab,
er lässt ihr Gesicht für einen kurzen Moment verschwimmen.

Sonntag, 24. Januar 2010

Die leere Akte

Sie schließt ihre Augen und sieht ihr zu,
sieht ihr zu wie sie durch die Wälder rennt.
Unbefangen, leicht und voller Energie,
jeder Tag ein neues Abenteuer.

Sie blickt auf ihren Schreibtisch,
ihren Schreibtisch, der voller Akten liegt.
Geöffnete Akten, geschlossene Akten,
gelesene und ungelesene.

Ein kurzer Gedanke gilt ihrem Schrank,
ihrem Schrank, in dem weitere Akten liegen,
Akten, die sie fast vergessen hatte,
Akten, die sie vergessen wollte.

Sie schließt ihre Augen und sieht sie an,
das kleine Mädchen, mit dem hoffnungsvollen Blick.
Ein Lächeln aus tiefstem Herzen,
in der Hand eine leere Akte.

Die dünne Platte

Ich blicke sie an, sie blickt zurück.
Wir sehen einander, doch erkennen uns nicht.

Ich strecke ihr meinen Arm entgegen,
unsere Hände berühren sich.
Doch ich spüre nicht die Weichheit ihrer Haut,
spüre nicht die Wärme ihres Körpers.

Kälte. Kälte ist, was meine Sinne wahrnehmen,
hart und kalt ist ihre Hand.
Ihre Hand, die die meine berührt,
die sie berührt, doch die ich nicht fühle.

Zwischen uns ist etwas,
etwas, das unüberwindbar erscheint.
Eine dünne Platte, die uns voneinander trennt.
Eine dünne Platte, die nicht zerbrochen werden kann.


Ich blicke sie an, sie blickt zurück.
Ich sehe aus wie sie, doch sie sieht nicht aus wie ich.

Dienstag, 21. Juli 2009

Die Realität der Illusion

Illusionen begleiten unser Leben,
das Leben besteht aus Illusionen.

Illusionen, die das Leben schafft,
Illusionen, die wir schaffen.
Illusionen, die uns schützen.

Schützen, vor der Realität.
Vor der Schärfe der Realität.
Der Schärfe, die nicht erträglich erscheint.
Der Schärfe, die unsere Seele zermürbt.

Illusionen mildern diese Schärfe.
Illusionen geben uns Halt.
Illusionen geben uns Sicherheit.

Sicherheit, an die wir glauben sollen.
Sicherheit, an die wir glauben wollen.
Sicherheit, an die wir glauben können?

Der Lauf eines Buches

Frisch gedruckt und unversehrt,
steht das Buch zwischen vielen anderen.
Zwischen vielen anderen im großen Laden.
Kein Kratzer auf dem Deckel,
unangetastet, ungelesen.
Es wartet auf den Kauf,
wartet darauf verschlungen zu werden.
Es wartet darauf, wie alle anderen auch.
Zeit vergeht und das Buch wandert durch viele Hände.
Mal wird es missachtet, mal durchgeblättert, mal gelesen,
mal wird es verschmutzt und hier und da wird eine Seite zerrissen.
Einige berührt es, einige verärgert es,
mal bleibt es im Gedächtnis, mal wird es vergessen.
Der Deckel zerkratzt und die Seiten ergrauen verbraucht.
Das Buch verschwindet.
Verschwindet in einer Kiste auf dem Dachboden,
in der hintersten Ecke des Bücherregals, im Altpapier.
Doch der Inhalt lebt weiter,
lebt weiter in den Köpfen der Menschen, die es bewegte.

Das rote Band

Es umschließt sie, es umschließt ihn.
Es ist stabil, stabiler als jedes Baugerüst.
An einigen Stellen wurde es mit der Zeit dünner,
ab und an zerriss es sogar.
Doch immer wurde es mühsam geflickt,
mühsam geflickt mit eigenen Händen.
Solange geflickt, bis die Hände bluteten.
Die einst zerrissenen Stellen stechen heraus,
sie nehmen dem Band seine Perfektion.
Das Band wird nie wieder aussehen wie zuvor,
die zerrissenen Stellen können nicht verdeckt werden,
sie sind sichtbar.
Für immer sichtbar.
Doch die Nähte halten,
die Nähte halten zuverlässig.
Sie halten das Band fest zusammen,
machen es stabiler als je zuvor.
Jede Naht so fein gestrickt,
fein gestrickt mit Sorgfalt und Zeit.
Das Band vermag ewig zu halten,
vermag nie zu reißen.
Vermag nie zu reißen,
bekommen die Nähte keine Risse.

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